Digitalisierung in Theorie und Praxis: Kommt die Ausbildung 4.0 in Technikberufen?

Felix Walker, Juniorprofessor für Fachdidaktik in der Technik an der Technischen Universität Kaiserslautern und Mitglied des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern

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© Michael Fuchs; industrieblick, Fotolia.com

Felix Walker ist Juniorprofessor für Fachdidaktik in der Technik an der Technischen Universität Kaiserslautern und Mitglied des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern. Dort steht er in engem Kontakt zu allen Akteuren der dualen Berufsausbildung und weiß, wo die Herausforderungen für die digitale Bildung in mittelständischen Betrieben liegen.

Herr Walker, wie steht es um den digitalen Wandel in und als Thema der Berufsausbildung?

In der Praxis werden digitale Medien - gerade auf Ausbilderebene in kleinen und mittleren Unternehmen - bisher nur selten im Arbeitsprozess und während der Ausbildung eingesetzt. Das liegt zum einen daran, dass die Infrastrukturen und die Medien an sich nur bedingt vorhanden sind. Zum anderen ist den Ausbildern, also den Berufsschullehrern sowie den Meistern und Technikern im Betrieb, der Gebrauch digitaler Medien nur eingeschränkt bekannt. Wir müssen daher bei den Ausbildern ansetzen: Sie mit schnell umsetzbaren Maßnahmen fortbilden und ihr Gespür für die neuen Anforderungen im Berufsleben schärfen. Auch müssen digitale Medien stärker in der Ausbildungspraxis verankert werden.

Muss ein Auszubildender in einem Elektronikberuf im Hinblick auf neue Arbeitsumgebungen etwa in der Industrie 4.0 nicht ganz anders ausgebildet werden als bisher?

Was sich tatsächlich ändert, sind die Berufe und mit ihnen dann eben auch die Ordnungsmittel - also etwa die Rahmenlehrpläne der Ausbildungsgänge. Die Veränderungen bei den Berufsbildern schreiten aber nur sehr langsam voran. Ein neuer Beruf, der als Reaktion auf den digitalen Wandel entstanden ist, ist der Ausbildungsberuf des Produktionstechnologen. Da gibt es mittlerweile um die 300 Auszubildende, die aber momentan noch hauptsächlich von den größeren Unternehmen in Süddeutschland verortet sind, etwa bei Daimler.

Wir möchten natürlich, dass so etwas zukünftig auch in mittelständischen Unternehmen passiert - daran arbeiten wir unter anderem hier im Mittelstand 4.0­Kompetenzzentrum Kaiserslautern. Ein Beispiel aus dem Weiterbildungsbereich: Der Lehrgang zum Prozessmanager ist auch neu hinzugekommen und geht genau auf die neuen Kompetenzen durch den digitalen Wandel ein.

Wie kann die Ausbildung in den Technikberufen in Punkto digitale Kompetenzen noch besser werden?

Zunächst ist festzuhalten, dass das duale Ausbildungssystem bereits heute ein international gefragtes Erfolgsmodell ist. Die neuen Anforderungen und Kompetenzen, die die Digitalisierung mit sich bringt, müssen in das Ausbildungssystem integriert werden -allerdings sollten wir zunächst festlegen, welche Kompetenzen das eigentlich sind. Hier ist noch mehr Forschung zur Frage notwendig: Welche Kompetenzen brauchen wir denn überhaupt in digitalisierten Produktionsumgebungen? Wenn wir das definiert haben, sind Instrumente nötig, mit denen diese Kompetenzen authentisch und messgenau erfassen werden können. Damit können wir dann zu belastbaren Erkenntnissen gelangen, mit deren Hilfe wir die Ausbildung tatsächlich noch besser machen können.

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