3.7.2014

Wie man seine Mitarbeiter qualifiziert - und warum der Mittelstand die beste Ausgangsbasis dafür hat

Maria Beck und Lars Nagel - EffizienzCluster Management GmbH Experten für Bildung am Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund

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© goodluz - Fotolia.com, Beck, Nagel

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt: Alte Aufgaben entfallen, neue Aufgaben kommen hinzu. Das betrifft auch den Mittelstand. Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die neuen Aufgaben stark zu machen und so die Digitalisierungsstrategie zum Erfolg zu führen, brauchen Unternehmen eine Bildungsoffensive, ein Qualifizierungsprogramm 4.0. Dessen Basis ist ein strategischer Ansatz. Klingt nach einer großen Aufgabe? Das ist sie auch! Aber die Voraussetzungen im Mittelstand sind denkbar günstig.

Industrie 4.0, Dienstleistung 4.0: Wer ein solches Unterfangen in Angriff nimmt, fällt eine weitreichende Entscheidung. Sie betrifft das ganze Unternehmen: alle Hierarchieebenen, alle Fachbereiche. Sie erfordert von allen ein Umdenken. Die gesamte Belegschaft muss sich ein tiefgreifendes Verständnis für den Wandel des Unternehmens und seiner Wertschöpfung aneignen. Dies kann nicht in einzelnen Seminaren und nur nebenher vermittelt werden. Vielmehr braucht ein Qualifizierungsprogramm eine strategische Basis, die wiederum die Geschäftsführung fordert.

Sie muss die Relevanz der Qualifizierung erkennen und das Programm sichtbar zur Chefsache machen. Dieser Stellenwert lässt sich gegenüber Mitarbeitern zum Beispiel durch eine eigens einberufene Betriebsversammlung zeigen, in der auch die Vision zur Zukunft der Firma erläutert und erarbeitet werden kann. Doch was macht ein Qualifizierungsprogramm aus, das eine Vision zu einem realen Industrie 4.0-­Betrieb werden lässt? Die schlechte Nachricht: Einen für alle richtigen Weg gibt es nicht. Die gute Nachricht: Es gibt für alle einen Weg.

Was ein Qualifizierungsprogramm 4.0 ausmacht

Grundsätzlich muss ein Qualifizierungsprogramm auf das Unternehmen zugeschnitten sein und dessen Zielgruppen gerecht werden. Dementsprechend gestaltet sich jedes Programm anders. Zwei Beispiele: Während sich die Geschäftsführung eher in Workshops über Best­-Practice­-Beispiele von Kollegen austauscht, benötigen Mitarbeiter des operativen Geschäfts vor allem anschauliche, auf ihren Arbeitsalltag zugeschnittene Unterstützung. Damit sie den Wandel in der Praxis sehen, anfassen und erleben können. Dies kann etwa der Besuch von Demo­-Zentren oder eine Live-­Simulation sein, bei der den Mitarbeitern gezeigt wird, wie sie Störungen im Betriebsablauf künftig via Tablet analysieren und beheben können.

Es ist außerdem wichtig, dass das Programm fest im Arbeitsalltag verankert ist und nicht "eingeschoben" wird. Letzteres ist bei Präsenzseminaren der Fall, die aus zwei Gründen kaum Wirkung entfalten: Erstens haben sie keinen Unternehmensbezug. Zweitens vernachlässigen sie die Tatsache, dass Menschen am besten durch informelle Bildungsprozesse, also den Erfahrungsaustausch mit anderen und das Selbststudium, lernen. Diese informelle Bildung sollten Unternehmen ermöglichen und fördern. Zu guter Letzt ist es auch wichtig, regelmäßige Treffen mit der Belegschaft durchzuführen und sie über den Status des gemeinsamen Unterfangens auf dem Laufenden zu halten bzw. wertvolle Rückmeldungen zur Praxistauglichkeit von den Mitarbeitern zu bekommen. Bei der Erarbeitung des Feinkonzepts und geeigneten Maßnahmen finden Mittelständler Unterstützung bei den Kompetenzzentren.

Warum der Mittelstand für Weiterbildung 4.0 prädestiniert ist

Unternehmer fragen sich möglicherweise: Kann der Mittelstand das leisten? Ja, und auch wenn es überraschen mag: Die Voraussetzungen für eine Qualifizierungsoffensive sind im Mittelstand deutlich besser als in Großkonzernen. Das liegt an der Unternehmenskultur. Im digitalen Zeitalter muss jeder die wesentlichen Prozesse überblicken, kreative Lösungen finden und zusammenarbeiten können. Das kommt den Generalisten im Mittelstand entgegen. Sie neigen nicht dazu, sich auf ein Spezialfeld oder seine Hierarchiestufe zurückziehen. Zudem haben sie noch ein weiteres Ass im Ärmel: wenig Fluktuation, flache Hierarchien, durchlässige Strukturen und der persönliche Draht. Im Mittelstand arbeiten Menschen einfach eng zusammen, kommunizieren miteinander und pflegen Kontakte auf der persönlichen Ebene. Dadurch werden Probleme auf dem Flur, nicht auf dem Dienstweg gelöst.

Auch die Personalabteilung ist näher dran: Sie kennt die Kompetenzen der Mitarbeiter und kann dadurch Weiterbildungsmaßnahmen gezielt planen. In Konzernen hingegen kämpft die Personalabteilung mit deutlich stärker formalisierten Verfahren und veralteten Mitarbeiterakten. Der Clou: Ob Kommunikations-­ oder Kooperationsfähigkeit - all die Aspekte, die die Kultur mittelständischer Betriebe prägen - sind die entscheidenden Voraussetzungen für das Gelingen jedes Qualifizierungsprogramms 4.0.

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