Wie das Handwerk neue Geschäftsmodelle konstruiert: dieMeisterTischler und ihr Weg zur eigenen Software

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© André Wirsig, Handwerkskammer Dresden

Viele Handwerksbetriebe nutzen digitale Technologien, um effizienter zu arbeiten. Einige, wie dieMeisterTischler, gehen noch einen Schritt weiter: Sie lernen aus der Zusammenarbeit mit IT-Betrieben und zeigen, dass sich neue Geschäftsmodelle auch im Handwerk verwirklichen lassen.

Holz, das ist das Metier von Nico Deutschmann und Mario Schöne. Doch kaum hatten sie ihre Tischlerei eröffnet, wurde ihnen klar, dass sie bessere Zeichnungen und Fertigungsunterlagen benötigten. Also hielt die Digitalisierung Einzug. Schon bald arbeiteten sie mit 3D-CAD/CAM-Software und investierten in eine CNC-Maschine. So konnten sie sich neben der klassischen Möbelfertigung auch dem technisch anspruchsvollen Ausbau von Yachten widmen.

"Als wir uns selbstständig gemacht haben, war klar: Wir gründen als frisch gebackene Meister, uns fehlt die Erfahrung", erzählt Nico Deutschmann. "Deshalb müssen wir selbstkritisch sein. Wenn Sie sich immer bewusst fragen, was sie besser machen können, wie Sie den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit schaffen, kann Sie die Antwort auf neue Ideen bringen". Die Grundlage ihrer Ideen: der Einsatz von digitaler Technik.

Doch die Software entpuppte sich als weniger praxistauglich als erhofft. Kurzerhand setzten sich dieMeisterTischler mit den Programmierern zusammen, um sie an die Praxis anzupassen - mit Erfolg. Nun planen sie, andere Betriebe im Umgang mit der Software zu schulen. So könnte Beratung zu einem neuen Standbein werden. DieMeisterTischler lernen schnell, die Digitalisierung für sich zu nutzen. Ihr nächstes Ziel: den Markt für Virtual Reality aufzumischen.

Der Traum vom eigenen VR-System
3D-Konstruktionen am Rechner bergen die Gefahr unklarer Größenverhältnisse und erhöhen das Risiko von Planungsfehlern. Vertraut mit digitaler Technik witterten dieMeisterTischler in Virtual Reality eine große Chance, das Problem zu lösen. Deswegen taten sie sich mit einem Partner aus der Software-Branche zusammen, einemVR-Spezialisten. Deutschmann war schnell klar: Damit können Kunden, Planer und Konstrukteure ihre gemeinsamen Bau-Projekte in allen Facetten erleben. Sie erhalten den gleichen Einblick in die Details, die für die Fertigung so relevant sind. Das ist ein Vorteil, in dessen Genuss bisher nur eine Testgruppe ihrer Kunden kommt. Aktuell sondieren die beiden Partner die anderen Angebote am Markt; sie glauben eine Lücke zu finden. Denn längst spielen sie mit dem Gedanken, ihr VR-System anhand der Ergebnisse aus der Testphase weiterzuentwickeln und es dann in den Handel zu bringen.

Zukunftspläne: Bauprozesse optimieren
Derweil loten dieMeisterTischler das nächste Geschäftsmodell aus: Sie wollen den gesamten Bauprozess optimieren. "Bisher kommen wir Tischler als letzte auf die Baustelle. Wenn dann ab und an mal Unstimmigkeiten zum Vorschein kommen, bleibt uns nicht viel mehr übrig, als mit dem, was wir vorfinden, zu arbeiten. Dann ist das Ergebnis zwar gut, doch der Weg dorthin raubt den Bauherren Zeit, Geld und Nerven", erläutert Deutschmann.

Am Bauprozess sind viele Akteure beteiligt. Sie arbeiten oft mit unterschiedlichen Softwares für Gebäudedatenmodellierung ("BIM"). Das Problem: Die Softwares sind nicht immer kompatibel. Das macht den komplexen Prozess der Zusammenarbeit noch komplizierter. Auf Basis einer Datenbank wollen Deutschmann und Schöne mit ihren Partnern eine Schnittstelle entwickeln, die eine bruchfreie Kommunikation der unterschiedlichen BIM-Softwares ermöglicht. Ein Leitfaden zur optimalen Zusammenarbeit soll das Gesamtpaket abrunden, ehe es nach gemeistertem Praxistest in den Handel kommt.

Nico Deutschmann freut sich über diese Erfolge, steigern sie doch die Wertschöpfung des Handwerks und auch die seines ursprünglichen Geschäftsmodells, den hochwertigen Möbel- und Innenausbau. "Digitale Technik erleichtert unsere Arbeit. Sie eröffnet uns neue Chancen und gibt uns zugleich mehr Zeit für das, was uns am Wichtigsten ist: den kreativen Feinschliff und die Beratung unserer Kunden".

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