22.9.2016

Die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren unterstützen kleine und mittlere Unternehmen auf dem Weg zur digitalen Transformation. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erweitert die Förderinitiative durch neue Kompetenzzentren

Im Rahmen der Digitalen Agenda 2014 bis 2017 der Bundesregierung hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Juni 2015 die neue Förderinitiative "Mittelstand 4.0 - Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse" unter dem Dach von Mittelstand-Digital ins Leben gerufen. Hierdurch sollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen und Handwerksbetriebe unterstützt werden. Zentrales Element dieser Initiative sind die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren. Ihr Ziel ist es, das relevante Wissen zur Digitalisierung und Vernetzung betrieblicher Prozesse in ihren Demonstrations- und Lernfabriken zu bündeln und an die Unternehmen in ihren Regionen weiterzuvermitteln. Bei diesen Transferaktivitäten werden die Zentren von vier Mittelstand 4.0-Agenturen unterstützt, deren Schwerpunkte "Cloud Computing", "elektronischer Handel", "betriebliche Prozesse" und "Kommunikation" sind.

Durch die Veranschaulichung gut nachahmbarer Lösungen mit Hilfe von "Pilotunternehmen" sollen die Zentren gerade auch für kleine Betriebe gangbare Wege aufzeigen, um sie anzuregen und zu motivieren, den Prozess der Digitalisierung und Vernetzung im eigenen Unternehmen anzugehen. Es geht in den Zentren demnach nicht um die Neuentwicklung von Hard- oder Software oder um FuE-Innovationen, sondern vielmehr um die nutzerorientierte Weiterentwicklung, Aufbereitung und Dokumentation des vorhandenen Wissens sowie insbesondere den zielgruppengerechten Transfer dieser Erkenntnisse hin zu den Unternehmen.

Seit Beginn der neuen Förderinitiative wurden bislang insgesamt sechs Informations- und Demonstrationszentren in Hannover, Darmstadt, Dortmund, Kaiserslautern, Berlin sowie Chemnitz ins Leben gerufen, zu denen bald vier weitere hinzukommen. Ein weiteres Zentrum kümmert sich speziell um die Digitalisierung im Handwerk und hat zu Demonstrationszwecken vier Anlaufstellen ("Schaufenster") etabliert, die ihren Sitz in Oldenburg, Dresden, Bayreuth und Koblenz haben. Zum einen sollen diese Zentren in ihren Regionen agieren, um eine größtmögliche Nähe und den Austausch mit den dort angesiedelten Unternehmen herzustellen. Zum anderen aber sollen sie ihre Aktivitäten untereinander abstimmen und vernetzt agieren, um auch bundesweit eine möglichst hohe Resonanz und Breitenwirkung zu erzielen. Hierbei erfahren die Zentren Unterstützung von der Begleitforschung.

Jüngste Markterhebungen, etwa des ZEW, zeigen, dass bislang lediglich 19 % aller kleinen und mittleren Unternehmen einen fortgeschrittenen Reifegrad bei der Digitalisierung ihrer betrieblichen Prozesse aufweisen. Rund 49 % gehören dem Mittelfeld an und haben einzelne Elemente ihrer Wertschöpfung digitalisiert. Hierbei dominieren oft Insellösungen, die noch unverbunden nebeneinander stehen. Über 32 % müssen als digitale Nachzügler betrachtet werden. Sie haben allenfalls Grundelemente der Digitalisierung eingeführt und verhalten sich hinsichtlich des weiteren Ausbaus zögerlich.[1] Mit Blick auf die komplexen Themen rund um Mittelstand 4.0 ist nach heutigem Stand davon auszugehen, dass zentrale Begrifflichkeiten wie Cyberphysische Systeme, Smart Factory, Big Data, Selbstkonfiguration/Selbstdiagnose vernetzter Produktionseinheiten, digitale Wertschöpfungsnetzwerke, automatisierter Informationsaustausch (M2M) oder digitale Lernformen und 4.0-Bildungswege derzeit erst für einen überschaubaren Teil kleiner und mittlerer Unternehmen eine alltagspraktische Bedeutung haben. Deshalb ist es wichtig, sowohl die grundsätzlichen Themen der Digitalisierung als auch die deutlich komplexeren und fortgeschrittenen Aspekte von Mittelstand 4.0 miteinander zu verknüpfen und entsprechendes Wissen bereitzustellen.

Das BMWi sieht vor diesem Hintergrund einen erhöhten Handlungsbedarf, durch regionale, überregionale und themenzentrierte Vernetzung kompetenter Akteure zusätzliche Anreize für weitergehende und zukunftsorientierte Digitalisierungsprozesse zu setzen. Zu diesem Zweck hat sie am 26. August 2016 einen neuen Ausschreibungswettbewerb mit dem Ziel gestartet, die Anzahl der bislang elf entstehenden Zentren weiter zu erhöhen. Zu den derzeitigen, stark auf Industrie 4.0-Anwendungen fokussierten, Zentren sollen weitere Anreize geschaffen werden, auch über das produzierende Gewerbe hinaus Digitalisierungsprozesse in anderen Themenfeldern und Branchen in Gang zu setzen bzw. zu verstärken. Produktionsnahe, aber auch traditionelle Dienstleistungen z.B. in der Gesundheitswirtschaft, der Pflege und Betreuung, der Logistik oder der Landwirtschaft könnten adressiert werden.

Die künftigen Kompetenzzentren sollen es Mittelständlern aus verschiedenen Branchen oder Arbeitsbereichen ermöglichen, unter geeigneten Rahmenbedingungen "auf Augenhöhe" miteinander zu arbeiten und sich digital zu vernetzen. Durch geeignete Wertschöpfungsnetzwerke sollen neue Kooperationsformen erprobt und das Vertrauen in digitale Anwendungen gestärkt werden. Die Zentren sollen dabei folgende Aktivitäten in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellen:

Diejenigen Konsortien, die schon vor Projektbeginn über geeignete Demonstrationsmöglichkeiten verfügen, Expertise beim Thema Mensch-Technik-Organisation oder andere fachliche Alleinstellungsmerkmale besitzen, Erfahrungen bei Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und Projektevaluation haben, praktische Kenntnisse und eine neutrale Rolle beim Wissens- und Technologietransfer vorweisen sowie erprobte Kontakte zu Mittelstand, Handwerk und Multiplikatoren einbringen können, dürften über besonders gute Voraussetzungen für die erfolgreiche Teilnahme am laufenden Wettbewerb besitzen.

Das BMWi ist der Überzeugung, dass mit den Projekten in Mittelstand 4.0 und der fachlichen und branchenübergreifenden Erweiterung der Informations- und Demonstrationszentren den besonderen Herausforderungen Rechnung getragen wird, die sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und das Handwerk im Zusammenhang mit den Prozessen der digitalen Transformation stellen. Deutschland hat damit gute Chancen, sich an die Spitze des digitalen Umbaus der Wirtschaft hin zu einer Netzwerkökonomie zu setzen. Wenn es gelingt, den Mittelstand hierbei nachhaltig zu unterstützen, kann die derzeitige wirtschaftliche Stärke der deutschen Unternehmen nicht nur gefestigt, sondern weiter ausgebaut werden.

[1] Vgl. Saam, M., Viete, S., Schiel, S. (2016): Digitalisierung im Mittelstand: Status Quo, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. Forschungsprojekt im Auftrag der KfW Bankengruppe, Mannheim, 18. August.

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