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Wenn kleine oder mittlere Unternehmen (KMU) ihre sichere digitale Transformation voranbringen möchten, können sie auf zahlreiche öffentliche Förder- und Unterstützungsangebote zurückgreifen. Doch welche Unterstützungsangebote gibt es aktuell tatsächlich in Deutschland? Und für welche Vorhaben sind sie geeignet? Wie lässt sich in der Vielzahl an Förderprogrammen, Beratungsstellen und weiteren Unterstützungsstrukturen der Überblick behalten? Genau hier setzt das neue Whitepaper der Begleitforschung Mittelstand-Digital an.
Es untersucht die bestehende Förder- und Unterstützungslandschaft für KMU in den Themen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Cybersicherheit und zeigt, welche Angebote auf EU-, Bundes- und Landesebene zur Verfügung stehen. Neben finanziellen Förderprogrammen nimmt die Analyse auch Anlaufstellen, Forschungs- und Transferstrukturen sowie Infrastrukturförderungen in den Blick.
Die Analyse in Zahlen: Zum Datenstand 30. Juni 2026 wurden 175 aktive digitalisierungsrelevante Förderprogramme sowie 180 digitalisierungsrelevante Anlaufstellen identifiziert und näher untersucht. Berücksichtigt wurden sowohl Angebote, die sich unmittelbar an Unternehmen richten, als auch Förderungen von Wissenschaft, Multiplikatoren und weiteren Unterstützungsstrukturen, von denen KMU mittelbar profitieren können.
Eine vielfältige Förderlandschaft unterstützt KMU an unterschiedlichen Stellen
Die Analyse zeigt zunächst die große Bandbreite der bestehenden Förderstrukturen. Insgesamt wurden 175 Programme identifiziert, die die sichere digitale Transformation von KMU unmittelbar oder mittelbar unterstützen. 43 davon sind auf Bundes- oder EU-Ebene angesiedelt, 132 auf Landesebene.
Dabei geht es längst nicht nur um die reine Anschaffung von digitalen Lösungen. Förderprogramme setzen an unterschiedlichen Stellen an: Sie unterstützen beispielsweise Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, Investitionen sowie Beratungs- und Schulungsvorhaben von KMU. Andere Programme fördern Anlaufstellen, Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Wissenschaft und Multiplikatoren oder den Ausbau digitalisierungsrelevanter Infrastruktur. Viele Programme decken zugleich mehrere dieser Bereiche ab.
Für KMU bedeutet das: Unterstützung steht grundsätzlich für unterschiedliche Phasen und Bedarfe der digitalen Transformation zur Verfügung. Die extrem hohe Anzahl und Vielfalt an Angeboten macht es allerdings äußerst herausfordernd, diejenigen Programme und Ansprechpersonen zu identifizieren, die zum eigenen Vorhaben passen.
Direkte finanzielle Förderung: Viele Möglichkeiten für konkrete Vorhaben von KMU
Ein großer Teil der untersuchten Förderprogramme unterstützt unmittelbar Digitalisierungsvorhaben in Unternehmen. Für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von KMU wurden 66 digitalisierungsrelevante Programme identifiziert. Ebenfalls 66 Programme fördern Investitionen in digitale Technologien, weitere 41 Programme fördern Beratungs- oder Schulungsvorhaben.
Die Ausgestaltung unterscheidet sich dabei je nach Fördergegenstand. Forschungs- und Entwicklungsvorhaben werden überwiegend über Zuschüsse gefördert. Auch für Investitionen stehen zahlreiche Zuschussprogramme zur Verfügung; daneben spielen hier Darlehen eine größere Rolle. Beratungs- und Schulungsförderungen sind überwiegend auf Landesebene angesiedelt und weisen in der Tendenz geringere Förderhöchstsummen auf als andere Fördergegenstände.
Für den Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital bestätigen diese Befunde die bestehende Ausrichtung auf nicht-finanzielle Unterstützung. Die Mittelstand-Digital Zentren und die Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand können KMU Orientierung geben, Unterstützungsbedarfe konkretisieren und bei Bedarf auf passende weiterführende Fördermöglichkeiten hinweisen. Darüber hinaus können sie Unternehmen dabei unterstützen, eigene Investitionsentscheidungen fundiert vorzubereiten und Anforderungen ergänzender Förderprogramme besser einzuschätzen.
Nicht-finanzielle Unterstützung: Eine Vielzahl an Anlaufstellen bietet Vernetzung und Beratung
Neben finanziellen Förderangeboten stehen KMU in Deutschland eine Vielzahl an weiteren Unterstützungsangeboten zur Verfügung. Die Analyse identifizierte mindestens 180 digitalisierungsbezogene Anlaufstellen, an die deutsche KMU sich bei Unterstützungsbedarf wenden können. Die meisten ihrer Angebote sind branchenübergreifend ausgerichtet und können damit Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen ansprechen.
Besonders verbreitet sind Vernetzungs- und Beratungsangebote. 146 Anlaufstellen unterstützen gezielt den Austausch und die Vernetzung von Unternehmen und weiteren Akteuren, 105 bieten Beratungsleistungen an. Hinzu kommen unter anderem Angebote wie Demonstratoren zur Erprobung digitaler Lösungen sowie Qualifizierungsangebote.
Bei den thematischen Schwerpunkten zeigen sich Unterschiede: 109 der 180 untersuchten Anlaufstellen verfügen über Angebote mit explizitem KI-Bezug, 59 Anlaufstellen adressieren ausdrücklich IT-/Cyber-sicherheit. Bei KI ist damit bereits eine große Zahl an Unterstützungsakteuren aktiv.
Für Mittelstand-Digital gewinnt vor dem Hintergrund der enormen Vielfalt an Anlaufstellen die Abstimmung mit angrenzenden Angeboten weiter an Bedeutung. Im Bereich der IT-/Cybersicherheit besteht zugleich Potenzial, das vorhandene Wissen und die Angebote der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand weiterhin über andere Anlaufstellen und Multiplikatoren in die Breite zu tragen.
Zur nicht-finanziellen Unterstützungslandschaft gehören indirekt auch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, deren Ergebnisse KMU mittelbar zugutekommen können. Für entsprechende Vorhaben von wissenschaftlichen Einrichtungen und Multiplikatoren wurden 68 digitalisierungsrelevante Förderprogramme identifiziert. Gefördert werden darunter auch Vorhaben, aus denen beispielsweise Demonstratoren, Tools oder Schulungsformate für den Mittelstand entstehen können.
Für Mittelstand-Digital ergibt sich daraus eine wichtige Lotsen-, Netzwerk- und Transferfunktion: Die Zentren können KMU an ergänzende Angebote weiterleiten, Erfahrungen und Materialien bündeln und dazu beitragen, Ergebnisse aus Forschungs- und Entwicklungsvorhaben für Unternehmen zugänglich zu machen.
Ein weiterer Teil der Förderlandschaft setzt nicht im einzelnen Unternehmen, sondern rahmengebend im allgemeinen Infrastrukturausbau an. Insgesamt wurden 25 Programme mit Bezug zu digitalisierungsrelevanter Infrastruktur identifiziert. Sie unterstützen beispielsweise die Weiterentwicklung von Netztechnologien sowie Investitionen in Breitband-, Glasfaser- und weitere digitale Infrastrukturen.
Die Programme richten sich häufig an Gebietskörperschaften, Netzbetreiber oder andere Einrichtungen. KMU profitieren daher überwiegend mittelbar von einer besseren Verfügbarkeit leistungsfähiger Infrastruktur; in einzelnen Fällen werden auch Netzanschlüsse für Unternehmen gefördert.
Für Mittelstand-Digital sind diese Angebote vor allem als wichtige Rahmenbedingung für Digitalisierungsvorhaben relevant. Die Zentren können Unternehmen über infrastrukturbezogene Entwicklungen informieren und punktuell auf entsprechende Fördermöglichkeiten hinweisen.
Fazit: Viele Angebote erhöhen den Bedarf an Orientierung und Vernetzung
Die große Anzahl und Vielfalt an Förderprogrammen und Anlaufstellen zeigt, dass KMU auf ein breites Spektrum an Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen können. Gleichzeitig erschwert diese Vielfalt die Orientierung für KMU enorm. Hinzu kommt, dass nicht immer bereits am Namen eines Programms erkennbar ist, dass darüber auch Digitalisierungsmaßnahmen gefördert werden können. Für Unternehmen kann es eine große Hürde sein, die für sie relevanten Angebote zu finden und im Blick zu behalten.
Zwischen den Unterstützungsakteuren besteht ein zunehmend hoher Bedarf nach Abstimmung. Mit der Vielzahl an Programmen, Anlaufstellen und Forschungsprojekten steigt das Risiko, dass ähnliche Angebote oder Formate parallel entwickelt und vorhandene Erfahrungen nicht ausreichend nachgenutzt werden. Ein stärkerer und strukturierter Austausch kann dazu beitragen, bestehende Materialien, Tools und gute Praxis auch über einzelne Programme und Netzwerke hinweg nutzbar zu machen.
Mittelstand-Digital kann genau dazu seine langjährige Erfahrungen und etablierte Netzwerkstrukturen in das Fördersystem einbringen. Bereits innerhalb des eigenen Netzwerks wurden über die Jahre Strukturen und Abstimmungsprozesse entwickelt, um Erfahrungen zu teilen und Doppelentwicklungen zu reduzieren. Diese Erfahrungen bieten eine gute Grundlage, um auch den Austausch mit weiteren Akteuren der Förder- und Unterstützungslandschaft zu stärken.
Ergänzend ergibt sich für Mittelstand-Digital im Zuge dessen eine wichtige verbindende Rolle hin zu weiteren Anlaufstellen und Förderprogrammen: Die Mittelstand-Digital Zentren und die Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand können KMU bei der ersten Orientierung unterstützen, ihre konkreten (Förder-)Bedarfe gemeinsam mit ihnen schärfen und bei weiterführendem Unterstützungsbedarf den Kontakt zu passenden Angeboten herstellen. Zugleich kann das Netzwerk dazu beitragen, Wissen, Erfahrungen und Ergebnisse angrenzender Förder- und Transferstrukturen für KMU zugänglich zu machen. So kann Mittelstand-Digital als Brücke innerhalb einer Förder- und Unterstützungskette wirken – von der ersten Orientierung über Qualifizierung und Umsetzungsbegleitung bis zur Vermittlung weiterführender Förderangebote.
Weiterführende Informationen
01.09.2026Publikation
Publikation:Förderstrukturen zur Digitalisierung des deutschen Mittelstands
Whitepaper der Begleitforschung „Mittelstand-Digital“ zur Analyse aktueller Förderungen in den Bereichen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und IT-/Cybersicherheit