22.10.2026 -

Mehr Sicherheit für vernetzte Produktion

Einleitung

Person mit Tablet

© Canva Pro

Sicherheit beginnt vor dem Cyberangriff. Vernetzte Produkte sowie auch Maschinen, Sensoren, Steuerungen und Fernwartungszugänge gehören in vielen Betrieben längst zum Alltag. Sie machen Prozesse effizienter, schaffen aber auch neue Angriffsflächen. Wird ein entsprechendes Produkt oder eine Produktionsumgebung kompromittiert, kann das Daten betreffen und bis zum Produktionsstopp führen.

Warum OT-Sicherheit für KMU an Bedeutung gewinnt

Operational Technology, kurz OT, steuert oder überwacht den Ablauf von Prozessen in der Produktion. Dazu zählen etwa Maschinensteuerungen, industrielle Netzwerke, Sensorik und Fernwartung. Anders als bei klassischen IT-Systemen kann ein Sicherheitsvorfall in diesem Umfeld unmittelbar den laufenden Betrieb betreffen.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist die Ausgangslage oft anspruchsvoll. Sie müssen Produktionsanlagen schützen, verfügen aber nicht immer über eigene Spezialistinnen und Spezialisten oder eine separate Testumgebung. Das im Februar 2026 gestartete Projekt OT-CRAft hilft bei der Klärung von Cybersicherheitsfragen. Dabei stehen zwei Bereiche im Fokus:

  1. Der sicherer Betrieb von OT-Infrastruktur
  2. Das Design von sicheren OT-Produkten

Für ist wen OT-CRAft gedacht

OT-CRAft betrachtet die industrielle Wertschöpfungskette aus drei Perspektiven. Je nach Rolle im Unternehmen unterscheiden sich sowohl die Aufgaben als auch die geeigneten Maßnahmen.

Zielgruppe

Typische

Fragestellung

Unterstützung durch OT-CRAft

Hersteller von IIoT-Produkten 

Wie lassen sich Sicherheitsrisiken bereits in der Entwicklung erfassen? Methoden und kostenfreie Handlungsempfehlungen für Bedrohungs- und Risikoanalysen 
Anlagenintegratoren Welche Komponenten und Schnittstellen müssen bei der Integration berücksichtigt werden? 

Orientierung zur Bewertung industrieller Anlagen und

ihrer sicherheitsrelevanten Komponenten.
Betreiber vernetzter Produktionssysteme 

Wie kann eine bestehende Anlage besser abgesichert werden?

Wissen zu Schutzmaßnahmen wie z. B. Netzwerksegmentierung oder Berechtigungskonzepten.

Die Angebote sind für Unternehmen gedacht, die Industrieprodukte sicher entwickeln oder vernetzte Produktionsanlagen geschützt betreiben müssen. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben wie der Cyber Resilience Act oder die NIS2-Vorgaben. Deshalb müssen Produkt- und Betriebsperspektive verbunden werden, statt OT-Sicherheit nur als IT-Thema zu behandeln.

Risiken und Schwachstellen strukturiert bearbeiten

Für die Produktseite stellt OT-CRAft Hilfestellungen für Bedrohungs- und Risikoanalysen bereit. Hersteller und Integratoren können damit Sicherheitsaspekte früher in Entwicklungs- und Integrationsprozesse einbeziehen. Dafür steht zum Beispiel eine Handlungsempfehlung für eine Produkt-Cyber-Risikoanalyse, untergliedert in acht aufeinander aufbauende Schritte. Ergänzend entsteht im weiteren Verlauf des Projekts ein strukturiertes Schwachstellenmanagement.

Illustration Risikoanalye Treppe

Acht Schritte für eine Produkt-Cyber-Risikoanalyse

© KI-generiertes Bild

Beim Betrieb bestehender Anlagen stehen andere Fragen im Vordergrund: Welche Systeme sind besonders kritisch? Wo bestehen Schnittstellen zu anderen Netzen? Wer darf Einstellungen ändern oder auf Fernwartungszugänge zugreifen?

Schutzmaßnahmen wie Netzwerksegmentierung und Rollen- und Berechtigungskonzepte helfen dabei, Zugriffe nachvollziehbar zu begrenzen. Zu den einzelnen Bereichen entstehen während der Projektlaufzeit interaktive Kurse.

OT-Sicherheit trainieren, ohne die Produktion zu gefährden

Sicherheitsmaßnahmen lassen sich leichter bewerten, wenn sie praktisch erprobt werden können. OT-CRAft entwickelt dafür eine digitale Lernplattform. Ab 2027 stehen zudem reale, industrielle Steuerungs- und Netzwerkkomponenten zur Verfügung, auf die OT-CRAft-User zugreifen können. Unternehmen können Übungseinheiten damit außerhalb ihrer eigenen Produktionsumgebung durchführen. 

Die Lernplattform von OT-CRAft bietet niederschwellige Lernmaterialien

Im Laufe der nächsten drei Jahre entsteht im Rahmen des Projekts ein umfangreiches Angebot mit Online- Kursen zu IT- und OT-Sicherheitsgrundlagen, Checklisten, Handlungsempfehlungen und Web-Tools. Die Inhalte sind für das Selbststudium angelegt und auf die Bedürfnisse von KMU zugeschnitten.

Porträt von Prof. Dr. Dominik Merli, Projektleiter von OT-CRAft

© Pia Simon - Technische Hochschule Augsburg

Prof. Dr. Dominik Merli, Projektleiter im Fokusprojekt OT-CRAft

„Wer die Cyberrisiken seiner Produkte und Anlagen kennt, kann gezielt die richtigen Schutzmaßnahmen entwickeln. Unsere kostenfreien Handlungsempfehlungen geben Produktherstellern einen pragmatischen Ansatz zur Produkt-Cyber-Risikoanalyse an die Hand und schaffen damit eine wichtige Grundlage für die Anforderungen des Cyber Resilience Act.“

Starke Partner für den Mittelstand

Das Projekt OT-CRAft ist eine Kooperation der THA_innos – Technische Hochschule Augsburg mit dem DZ.S (Digitales Zentrum Schwaben). Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen der Initiative „IT-Sicherheit in der Wirtschaft“ gefördert. Als Projektträger fungiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR Projektträger).

Weitere Informationen und Links

Mehr zum Projekt OT-CRAft und zur Verfügbarkeit des Tools finden Sie  auf der Projektwebsite: ot-craft.de

Teamfoto OT-CRAft

Teamfoto Fokusprojekt OT-CRAft

© THA/Mitte und re.DZ.S

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Infokasten

OT-Sicherheit und OT-CRAft

Was ist der Unterschied zwischen OT-Sicherheit und IT-Sicherheit?

IT-Sicherheit schützt vor allem Informationssysteme und Daten. OT-Sicherheit be-zieht sich auf Systeme, die physische Prozesse steuern oder überwachen, bei-spielsweise Anlagensteuerungen und industrielle Netzwerke. In der Praxis greifen beide Bereiche oft ineinander.

Ist OT-CRAft auch für Handwerksbetriebe geeignet?

Ja. OT-CRAft richtet sich ausdrücklich an KMU, Start-ups und auch Handwerksbe-triebe mit vernetzten Produktionsanlagen oder Industrieprodukten. Die Angebote sind kostenfrei nutzbar.

Wann müssen Unternehmen die Vorgaben des Cyber Resilience Act umsetzen?

Die wesentlichen Pflichten des Cyber Resilience Act gelten ab dem 11. Dezember 2027. Bestimmte Meldepflichten sind bereits zum 11. September 2026 in Kraft getre-ten. Welche Pflichten im Einzelfall gelten, hängt vom Produkt und von der jeweiligen Rolle in der Lieferkette ab.

Nächster Schritt: die eigene OT-Umgebung bewusst machen

OT-CRAft bündelt dafür kostenfreie Materialien, Lernangebote und Werkzeuge für Hersteller, Integratoren und Betreiber. Weitere Informationen sowie die aktuellen Angebote finden sich auf der Projektwebsite von OT-CRAft.

mittelstand-digital@dlr.de