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Wie lässt sich Fernwartung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sicher, einfach und praxisnah gestalten? Dieser Frage widmet sich das Projekt FERN-KOMPASS. Ziel ist es, Potenziale und Herausforderungen der sicheren Fernwartung im technischen Service sichtbar zu machen und Unternehmen bei Einführung, Nutzung und Weiterentwicklung zu unterstützen.
Das Fokusprojekt FERN-KOMPASS wird unter Leitung des Service-Verband KVD, gemeinsam mit dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem DIZ | Digitales Innovationszentrum durchgeführt. Seit Projektstart im Frühjahr 2026 hat das Team hinter FERN-KOMPASS ausführliche Experteninterviews geführt, um erste Einblicke zu gewinnen, welche Anforderungen KMU an Fernwartungslösungen stellen.
Zuverlässigkeit vor Funktionsvielfalt
Trotz unterschiedlicher Unternehmensgrößen und Einsatzbereiche zeichnet sich in den bisher geführten Gesprächen bereits ein klares Bild ab. Die befragten Unternehmen suchen keine überladenen Zusatzfunktionen, sondern zuverlässige und praxisnahe Lösungen. Im Mittelpunkt stehen kurze Reaktionszeiten sowie die Vermeidung von Anlagenstillständen. Muss dennoch eingegriffen werden, soll dies schnell und unkompliziert möglich sein, ohne den Betrieb zu stören.
Ebenso wichtig ist eine einfache Bedienung und Administration, denn Fernwartungslösungen sollten sich ohne großen Schulungsaufwand einsetzen lassen und wenn möglich nach dem Plug-and-Play-Prinzip funktionieren. Sicherheit gilt dabei für alle Befragten als grundlegende Voraussetzung. Dazu zählen eine lückenlose Protokollierung aller Fernwartungssitzungen ebenso wie ein kompetenter und gut erreichbarer Support. Häufig genannt wurde zudem der Wunsch, jeden Fernzugriff vorab manuell durch den Betreiber freigeben zu können.
Unterschiede zwischen Cloud und lokaler Lösung
Im Verlauf der Interviews sind dem Projektteam interessante Unterschiede und Herausforderungen begegnet. Besonders deutlich wird dies beim Thema Cloud, denn während einige Unternehmen konsequent auf Cloud-Lösungen setzen, bevorzugen andere ausschließlich lokale Installationen oder verfolgen einen hybriden Ansatz. Ein weiterer wesentlicher Kosten- und Zeitfaktor ist die mangelnde Kompatibilität verschiedener Fernwartungslösungen sowie uneinheitliche Sicherheitsstandards.
Darüber hinaus zeigte sich, dass zahlreiche Geräte noch immer lokal über herstellerspezifische Software betreut und anschließend mithilfe klassischer Desktop-Sharing-Lösungen wie RDP oder TeamViewer ferngewartet werden.
Fernwartung ist längst zu einem elementaren Bestandteil des technischen Service geworden, allerdings zeigen uns die ersten Gespräche im Projekt FERN-KOMPASS, dass die Anforderungen der Unternehmen an Sicherheit und Praxistauglichkeit noch längst nicht überall erfüllt werden. Für mich ist deshalb entscheidend, dass wir die tatsächlichen Anforderungen der Unternehmen verstehen und daraus Lösungen und Handlungsempfehlungen entwickeln, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen einen sicheren und wirtschaftlich sinnvollen Einsatz von Fernwartung ermöglichen.
Wie geht es weiter?
Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die kommenden Arbeitsschritte im Projekt. Als Nächstes rückt eine Analyse der bereits im Einsatz befindlichen Fernwartungslösungen in den Fokus, um zu ermitteln, welche Auswahlkriterien für die Unternehmen ausschlaggebend waren und welche Hürden für KMU beim Einsatz aktuell bestehen.
Parallel dazu widmet sich das Projektteam den regulatorischen Rahmenbedingungen und untersucht, welche Anforderungen sich aus der IEC 62443, einer international anerkannten Normenreihe für die Cybersicherheit in industriellen Automatisierungs- und Steuerungssystemen (Industrial Automation and Control Systems – IACS) gilt. Das gilt insbesondere für die IT-Sicherheit in der Industrie (Operational Technology – OT) sowie für Anforderungen, die sich aus dem Cyber Resilience Act (CRA) für zukünftige Fernwartungslösungen ergeben. Daraus sollen konkrete Handlungsempfehlungen für kleine und mittlere Unternehmen abgeleitet werden.
Im Rahmen von FERN-KOMPASS entstehen so praxisnahe Demonstratoren und digitale Serviceprozesse. Unternehmen können live erleben, wie sichere Remote-Service-Verbindungen aufgebaut und digitale Wartungsprozesse umgesetzt werden können. Gezeigt werden Open-Source-basierte Lösungsansätze, Sicherheitsmechanismen sowie typische Anwendungsszenarien aus dem technischen Service. Ergänzt werden die Demonstratoren durch Checklisten, Handlungsempfehlungen und praxisnahe Schulungs- und Transferformate. Das Fokusprojekt FERN-KOMPASS agiert damit mit dem Ziel, KMU konkrete Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen, Hemmschwellen abzubauen und den sicheren Einsatz digitaler Serviceprozesse verständlich und nachvollziehbar zu machen.