Anfertigung einer Prothese

© Andre Wirsig

Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung sind für das Orthopädietechniker-Handwerk eigentlich ein Segen – wären da nicht der Fachkräftemangel und die veränderten Kundenwünsche nach individuell designten Produkten. Individuell angepasste Prothesen, Orthesen, und Einlagen erfordern handwerkliche Präzisionsarbeit. Digitale Hilfsmittel können hier unterstützen und Fachkräfte entlasten. Durch die Nutzung digitaler Technik, etwa für die Abformung von Gliedmaßen und die Aufbereitung von Daten für die digitale Produktion, kann der Herstellungsprozess beschleunigt und eine einhundertprozentige Reproduzierbarkeit des Produkts gewährleistet werden. Nicht zu ersetzen sind das anatomische Wissen und die individuelle Betreuung und Beratung der Kunden. Digitale Mess- und Produktionsschritte müssen also mit den Fertigkeiten des Orthopädietechnikers verknüpft werden.

Das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk hat einen mittelständischen Betrieb mit rund 165 Mitarbeitern, zahlreichen Orthopädiewerkstätten und Sanitätsfachgeschäften über die Möglichkeiten der digitalen Fertigung in der Orthopädietechnik informiert. Nachdem Unternehmensvertreter einige digitale Hilfsmittel in der Demonstrationswerkstatt testen konnten, investierten sie in 3D-Scanner, die die Gliedmaßen kontaktlos und präzise abformen, und in weitere digitale Produktionsmittel wie 3D-Fräsen und 3D-Drucker.

So kann der gesamte Arbeitsprozess der Herstellung eines individuellen Modells durchgängig digital dargestellt werden. Dies beschleunigt die Produktion und entlastet qualifizierte Fachkräfte. Die Vorteile der digitalen Technologie liegen in der Genauigkeit: So kann bei der Herstellung einer Prothese die Körperstelle, an die die Prothese angefügt werden soll, durch den 3D-Scan präziser als je zu vor vermessen werden. Aus diesen Daten wird dann ein 3D-Modell erstellt, das dem Orthopädietechniker als Basis für das 3D-Modell der Prothese dient. Diese kann dann per 3D-Druck hergestellt werden. Die Prothese kann also vor Ort hergestellt werden und passt sich ideal dem Körper an.

Im nächsten Schritt will der Mittelständler weitere digitale Anwendungen, von der Auftragsanlage bis hin zur Abgabe des fertigen Hilfsmittels, miteinander vernetzen.

Das Praxisbeispiel finden Sie hier.