KI-Trainer im Gespräch: Was macht KI-Transfer erfolgreich? Einblicke und Erkenntnisse aus fünf Jahren Mittelstand-Digital

Einleitung

Eine KI-Trainerin und ein KI-Trainern der Mittelstand-Digital Zentren berichten, was die Transferarbeit von Künstlicher Intelligenz (KI) in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gelingen lässt: welche Formate tragen, woran Projekte hängen und warum Befähigung mehr zählt als das nächste Projekt.

KI-Trainer vom Mittelstand-Digital Zentrum Berlin bei der Arbeit im KI-Intensivworkshop.

© Mittelstand-Digital Zentrum Berlin

Bundesweit sind KI-Trainerinnen und KI-Trainer für die Mittelstand-Digital Zentren im Einsatz. Sie erklären, zeigen und ordnen ein und begleiten (KMU) kostenfrei und anbieterneutral zu eigenen KI-Anwendungen. In fünf Jahren ist dabei viel Erfahrung entstanden, die selten dokumentiert ist. Um sie festzuhalten, hat das Mittelstand-Digital Zentrum Saarbrücken eine Abfrage unter den KI-Trainerinnen und -Trainern durchgeführt, von Neueinsteigern bis zu Kolleginnen und Kollegen der ersten Stunde. Zwei von ihnen ordnen die Ergebnisse ein.

Was machen eigentlich die KI-Trainerinnen und -Trainer der Mittelstand-Digital Zentren?

Tamara Czinczoll: Wir bieten fachliches Know-how und praktische Erfahrung für Multiplikatoren und Unternehmen, die KI als Teil ihrer Prozesse verstehen wollen. Das reicht von den KI-Basics über offene Sprechstunden bis zu mehrtägigen Workshops für konkrete Projekte.

Warum braucht es dieses Angebot von konkreter Unterstützung beim Thema KI für KMU?

Tamara Czinczoll: Da unsere Angebote kostenfrei und anbieterneutral sind, können wir einen niedrigschwelligen Einstieg ins Thema anbieten. Viele Unternehmen haben Angst, das Thema zu verschlafen und ihre Ideen sind noch vage. Durch uns können sie selbstsicherer entscheiden, welche KI-Investitionen sich für sie wirklich lohnen.

Was braucht es, um ein guter KI-Trainer bzw eine gute KI-Trainerin zu sein?

Dimitri Rothermel: Ehrlich gesagt vor allem, sich einzugestehen, dass man nicht alles abdecken kann. Die Grundlagen bringt jeder mit, aber das Feld reicht von Daten über Algorithmen bis zu Recht und IT-Sicherheit. Jeder hat seinen Schwerpunkt, im Netzwerk kommen sie zusammen. Bei diesem interdisziplinären Ansatz setzt auch das KI-Train-the-Trainer-Programm von Mittelstand-Digital an: KI-Trainerinnen und -Trainer einzelner Mittelstand-Digital Zentren unterrichten je ihr Modul, damit Multiplikatoren KMU selbst begleiten. Damit wollen wir ganz gezielt KI-Kompetenz bei Verbänden, Kammern und Wirtschaftsförderungen aufbauen: Ein Format, was sich bis jetzt sehr bewährt hat.

Was funktioniert in der Praxis besonders gut?

Dimitri Rothermel: Gut funktioniert der Weg über offene Webinare und Workshops für den Erstkontakt. Danach kommt das Unternehmen in die Sprechstunde, und dort ist der Raum, den konkreten Anwendungsfall zu verstehen und nächste Schritte zu entwickeln. Live-Demonstratoren machen KI in der Ideenwerkstatt anfassbar, bei Innovationspotenzial wird daraus ein Digitalisierungsprojekt. Deutschlandweit bekommen 1:1-Sprechstunden in der Abfrage unserer KI-Trainerinnen und -Trainern die meisten Bestnoten.

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Tamara Czinczoll: Die größte Hürde ist für mich die Unternehmenskultur. Gerade bei den unternehmensspezifischen Workshops gilt: Wenn sich alle relevanten Bereiche dafür Zeit nehmen und wir offen miteinander auf Augenhöhe sprechen, wird das Projekt danach meistens auch von allen mitgetragen. Schwierig wird es, wenn jemand aus der Geschäftsleitung oder einer betroffenen Fachabteilung fehlt, dann entgehen uns wichtige Perspektiven. Deshalb achten wir vorher darauf, dass die richtigen Leute dabei sind, und haben auch schon mal spontan jemanden dazugeholt.

Welche Erkenntnis hätten Sie gerne schon zu Beginn Ihrer Tätigkeit als KI-Trainer bzw. KI-Trainerin gehabt?

Tamara Czinczoll: KI ist meistens nur ein Baustein in einem komplexen Prozess. Für eine erfolgreiche Integration müssen wir die betroffenen Geschäftsfelder ganzheitlich verstehen und transformieren.

Dimitri Rothermel: Dass Erfolg daran hängt, ob ein Unternehmen ohne uns weiterkommt. Ein gutes Beispiel: Wir haben bei uns am Mittelstand-Digital Zentrum Saarbrücken ein Bestattungsunternehmen begleitet, das seine Disposition planen wollte: Fahrzeuge, Räume, Personal, Termine. Von der Stange gibt es das nicht. Also haben wir das Werkzeug gemeinsam mit KI gebaut, per Vibe Coding, und die Geschäftsführerin befähigt, es selbst zu nutzen und weiterzubauen. Heute hostet und erweitert sie es eigenständig.

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Infokasten

Auf einen Blick

  1. Den besten Hebel hat das Einzelgespräch. Webinare und Workshops öffnen die Tür, die Bestnoten bekommen aber 1:1-Sprechstunden: sich Zeit nehmen und hinhören.
  2. Die Hürde ist Kapazität, nicht Technik. Als größte KI-Hürde in den Unternehmen wird fehlende Zeit genannt, mangelndes technisches Verständnis deutlich seltener.
  3. Erfolg heißt Befähigung, nicht Folgeprojekt. Als Erfolgsmerkmal zählt am häufigsten qualitatives Feedback und der Aufbau interner KI-Kompetenz, seltener Folgeprojekte.
  4. Reichweite wächst über Partner. Der Erstkontakt entsteht meistens über eigene Veranstaltungen, dicht dahinter über Kooperationen mit Kammern und Verbänden.
  5. Kein KI-Trainer / keine KI-Trainerin deckt das ganze Feld ab. Von Daten über Recht bis Change Management: Spezialisierung plus Netzwerk trägt weiter als der Versuch, alles allein abzudecken.

Unsere Expertinnen und Experten

Unsere Expertinnen und Experten

Tamara Czinczoll (KI-Trainerin, Mittelstand-Digital Zentrum Berlin)

„Wenn Unternehmen das volle Potenzial von KI ausschöpfen wollen, reicht es nicht, einzelne Prozessschritte zu automatisieren. Sie müssen diese ganzheitlich transformieren und die Mitarbeitenden, die davon betroffen sind, von Anfang an in die Planung einbeziehen.“

Porträt

© Tamara Czinczoll

Dr. Dimitri Rothermel (KI-Trainer, Mittelstand-Digital Zentrum Saarbrücken)

„Erfolg heißt für mich nicht immer, dass ein Folgeprojekt entsteht, sondern dass ein Unternehmen nach der Zusammenarbeit ohne uns weiterkommt. Wenn eine Geschäftsführerin das Werkzeug am Ende selbst weiterentwickelt und betreibt, haben wir unsere Arbeit gemacht.“

Porträt

© Dr. Dimitri Rothermel

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mittelstand-digital@dlr.de